Genossin Nachwuchs:
Auch die dreijährige Hannah Tabbert aus Hamburg sagt: "Atomkraft? Nein danke!"
Foto: Dennis Eighteen
Die durchgehend friedlichen Demonstrationen zwei Tage vor dem 26. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl richteten sich gegen die Pläne der schwarz-gelben Bundesregierung, die Laufzeiten der Atomkraftwerke weit über den von rot-grün vereinbarten Atomkonsens hinaus zu verlängern. Die eindrucksvollste Aktion fand in Norddeutschland statt: Auf einer 120 Kilometer langen Strecke vom AKW Brunsbüttel entlang der Elbe und quer durch Hamburg bis zum AKW Krümmel bildeten knapp 120 000 eine Menschenkette gegen Atomkraft.
Zu der Aktion aufgerufen hatte ein breites Bündnis aus Umweltinitiativen, Kirchen, Gewerkschaften und weiteren Parteien. Die Initiatoren des Bündnisses hatten selbst nicht mit einem so großen Erfolg gerechnet. „In der Geschichte der Deutschen Anti-Atom-Bewegung gab es so große Proteste noch nie“, erklärte Jochen Stay von der Nichtregierungsorganisation „ausgestrahlt“.
Tausende Genossen bei der Menschenkette
Auch die SPD war dabei: Tausende Genossen aus dem gesamten Bundesgebiet reisten per Bus oder Sonderzug gemeinsam mit Atomkraftgegnern anderer Initiativen an. Über 30 von SPD-Gliederungen eingesetzte Busse waren unterwegs – etwa aus Sachsen und Thüringen, die teils im Morgengrauen gestartet waren, um pünktlich um 14.30 Uhr zum Zusammenschluss der Kette vor Ort zu sein. „Ich finde die Vorstellung sehr bewegend, dass viele Menschen 120 Kilometer lang dasselbe machen wie ich. Wenn es klappt, haben wir etwas richtig Großes geschafft", so eine Teilnehmerin. Auch viel Parteiprominenz verstärkte die Kette: SPD-Vize Olaf Scholz verstärkte in Hamburg die Kette, Generalsekretärin Andrea Nahles nahm in Geesthacht teil.
Bei strahlendem Sonnenschein reihte sich der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel auf einer Landstraße in der Nähe von Elmshorn gemeinsam mit den Grünen-Spitzenpolitikern Jürgen Trittin und Renate Künast und dem SPD-Landesvorsitzenden von Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, in die Kette ein. „Der liebe Gott scheint Atomkraftgegner zu sein“, kommentierte Gabriel das Wetter und wurde dann ernst: „FDP und CDU versuchen den Atomausstieg rückgängig zu machen. Dagegen wehren wir uns gemeinsam!“ Der von Rot-Grün ausgehandelte Atomkonsens müsse verteidigt werden.
Proteste auch in Ahaus
Gabriel und Trittin, die beiden Ex-Umweltminister, sind sich einig: Auch wegen der verfehlten Energiepolitik wird die CDU am 9. Mai bei der NRW-Landtagswahl Verluste erleiden. Im Falle eines Siegs von Rot-Grün versprachen sie, im Bundesrat die Regierungspläne für Laufzeitverlängerungen zu verhindern. Gabriel: „Die Landtagswahl in NRW ist auch eine Abstimmung über den Atomausstieg.“
Auch im Westen der Republik gingen am Samstag die Bürger gegen die Atomkraft auf die Straße: Über 7000 Menschen demonstrierten am Atomzwischenlager Ahaus im Münsterland. Der bunte und friedliche Protest richtete sich über die Forderungen nach einem Ende der Atomenergie hinaus auch konkret gegen die Landesregierung aus CDU und FDP. Entgegen ihrer Ankündigungen lässt diese weiterhin neue Atomtransporte nach Ahaus zu.
20 000 umzingelten Biblis
In Hessen wurde aus Protest gegen die verfehlte Atompolitik der Bundesregierung eine Menschenkette rund um das Atomkraftwerk Biblis gebildet. Insgesamt demonstrierten etwa 20 000 Menschen, darunter etliche Sozialdemokraten, für die Stilllegung des AKW. Auch der SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel beteiligte sich: Um 15 Uhr ließ er sich gemeinsam mit der ehemaligen Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und der rheinland-pfälzischen Umwelt- und Verbraucherschutzministerin Margit Conrad und anderen Demonstranten zum sogenannten Die-In – einem symbolischen Atomtod - auf die Erde fallen.
„Dass so viele Menschen nach Biblis gekommen sind, ist ein starkes Zeichen gegen die Sackgassentechnologie Atomkraft und für die vertraglich vereinbarte Stilllegung des Kraftwerks Biblis“, so Schäfer-Gümbel.
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