Existenzsichernde Arbeit für Langzeitarbeitslose 1-Euro-Job verdrängt reguläre Arbeit

von Ursula Engelen-Kefer - 02.04.2010
Experten gehen davon aus, dass etwa 400000 Langzeitarbeitslose keinen Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt finden können. Dies wird sich mit der als Folge der Wirtschaftskrise erwarteten Erhöhung der Arbeitslosigkeit nicht ändern. Existenzsichernde gemeinnützige Tätigkeiten könnten eine Lösung sein.

Die Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland ist im Vergleich mit anderen EU Ländern immer noch überdurchschnittlich hoch, die Schaffung existenz sichernder Arbeit überfällig.

Möglichkeiten per Gesetz

Arbeitsgelegenheiten mit Entgelt, Beschäftigungszuschüsse bis zu 75 Prozent des Lohnes über zwei Jahre mit der Möglichkeit der Verlängerung, den Kommunalkombi mit Lohnkostenzuschüssen von  grundsätzlich 500 Euro pro beschäftigten Langzeitarbeitslosen für Kommunen  sowie Arbeitsgelegenheiten mit Aufwandsentschädigung (sog. Ein-Euro- Jobs). Die Gewährung der Arbeitsgelegenheiten mit Entgelt, der Beschäftigungszuschüsse sowie des Kommunalkombi sind an die Bedingung gebunden, dass Arbeitsplätze mit tariflichen bzw. ortsüblichen Löhnen sowie Sozialversicherungspflicht  angeboten werden.

Das Gesetz sieht die Ein-Euro-Jobs als letzte Möglichkeit „ultima ratio“ der Eingliederung Langzeitarbeitsloser vor. Allerdings haben sie in der Praxis nicht nur oberste Priorität, sondern vielfach den traurigen Rekord der Ausschließlichkeit gegenüber anderen  Maßnahmen erreicht. Die betroffenen Arbeitslosen erhalten ihre Hartz-IV-Leistungen weiter. Für die von den Job Centern zugewiesene Tätigkeit zahlen ihnen die jeweiligen Träger der Beschäftigungsmaßnahmen- darunter auch Kommunen- zwischen ein und 1,50 Euro in der Stunde.

1-Euro-Jobs verdrängen reguläre Beschäftigung

Die finanzielle Attraktivität für die jeweiligen Träger erhöht sich noch dadurch, dass sie zusätzlich eine Pauschale von mehreren hundert Euro von den Job Centern für sonstige Aufwendungen erhalten können. Im vergangenen Jahr wurden somit etwa 700 000 Langzeitarbeitslose in gemeinnützige Tätigkeiten lediglich mit einer Aufwandsentschädigung eingegliedert. Für die betroffenen Menschen hat dies zwar ermöglicht, dass sie für die kurze Zeit von sechs Monaten aus der Arbeitslosigkeit herauskommen konnten, allerdings weitestgehend ohne eine berufliche Perspektive und häufig mit erheblicher beruflicher Herabstufung.

Sie sind in der Abhängigkeit von Hartz IV geblieben und waren bis auf wenige Ausnahmen nach dem Auslaufen dieser Ein-Euro-Jobs wieder arbeitslos. Alarmierende Berichte des Bundesrechnungshofes haben deutlich gemacht, dass durch diese Maßnahmen reguläre Beschäftigung in bis zu 80 Prozent der Fälle ersetzt wurde.

Jobcenter sind gefordert

Es ist daher dringend an der Zeit, die öffentlichen Arbeiten für Langzeitarbeitslose umzustellen. Von den Job Centern zu fördern wären vor allem Tätigkeiten, die ein existenzsicherndes Einkommen, Sozialversicherungspflicht und falls erforderlich die notwendige Qualifizierung und Einarbeitung ermöglichen. Dies könnte über die im Gesetz bereits vorgesehenen Maßnahmen der Arbeitsgelegenheiten mit Entgelt sowie der Beschäftigungszuschüsse und des Kommunalkombi geleistet werden.

Warum werden diese Maßnahmen bisher nur wenig in Anspruch genommen? Solange die finanziell erheblich günstigeren und einfacher umzusetzenden Ein-Euro Jobs  angeboten werden können, wird die Bereitschaft der Träger und der finanzierenden Job Center niedrig sein, nach existenzsichernden Tätigkeiten zu suchen. Zudem fehlen den gemeinnützigen Trägern sowie den Kommunen  häufig die ergänzenden finanziellen Mittel, um die Kofinanzierung für diese Maßnahmen zu leisten.

Notwendig ist daher, die Geschäftspolitik in den Job Centern sowie Optionskommunen beim Angebot gemeinnütziger Tätigkeiten für Langzeitarbeitslose entsprechend zu ändern und den notleidenden Kommunen mit hoher Langzeitarbeitslosigkeit die Kofinanzierung zu erleichtern. Hier brauchen wir einen Paradigmenwechsel in der Arbeitsmarktpolitik zur Förderung der beruflichen Eingliederung Langzeitarbeitsloser in zusätzliche existenzsichernde Arbeit. An Bedarfen fehlt es hierzu nicht.

Beispiele aus den Bundesländern

Viele ermutigende Beispiele aus Projekten für die Eingliederung Langzeitarbeitsloser in sinnvolle zusätzliche existenzsichernde Beschäftigung im Rahmen der Bürgerarbeit in Sachsen Anhalt, Thüringen und Bayern, sowie der Arbeitsgelegenheiten mit Entgelt, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und  Beschäftigungszuschüsse in Mecklenburg-Vorpommern zeigen, dass diese Maßnahmen zwar kurzfristig teurer sind, sich aber mittelfristig auszahlen.

Die Eingliederungsquote in den ersten Arbeitsmarkt ist mit bis zu 50 Prozent  bei weitem höher als bei den Ein-Euro-Jobs mit höchstens fünf bis 15 Prozent. Die betroffenen Menschen können erst dann ihr Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, das sie in den langen Zeiten der Arbeitslosigkeit verloren haben, wiedergewinnen, wenn sie aus der Abhängigkeit von Hartz IV entkommen und ihr Leben eigenverantwortliche gestalten und finanzieren.

 

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Reguläre Arbeitsplätze werden durch 1 Euro Jobs verdrängt

Bild von Schwob

Nicht nur das die Gemeinden die städtischen,regulären Arbeitsplätze durch ein Euro Jober ersetzt/ergänzt, sondern die machen mit den Leuten auch noch Kasse. So bietet im Raum Ludwigshafen eine Gemeinnützige Beschäftigungsgesellschaft die überwiegend mit ein Euro Jobern besetzt ist auch noch Dienstleistungen für jedermann an. Dies schadet nicht nur den kleinen Gewerbetreibenden in der Region durch mangelnde Aufträge, sondern die Firmen können auch oftmals die Preispolitik dieser Gesellschaften nicht mit gehen.
Ein Euro Jober sollten doch eigentlich nur für öffentliche Aufgaben herangezogen werden und nicht für die freie Wirtschaft.
Hier muss sich schleunigst was ändern !

Dunkle Erinnerung

Bild von redefluss

Vielleicht ist ja meine Erinnerung falsch. Doch kann ich mich noch gut an eine parteiratssitzung im Willy-Brandt-Haus erinnern, in der der damalige Arbeits- und Wirtschaftsminister Clement für die 1 Euro-Jobs warb. Die Kritiker, die auf die Gefahr hinwiesen, dass Ein-Euro-Jobs reguläre Jobs verdrängen könnten, wurden als Schwarzmaler abgetan. Die heutige Erkenntnis kommt leider ein paar Jahre zu spät. Schade!

Hintergrund der Ein-Euro-Jobs

Bild von Yayleen

Der Hintergrund der Ein-Euro-Jobs ist weitgehend unbekannt, wie auch der Hintergrund der Arbeitsmarktpolitik ab 2002, beginnend mit dem sog. Hartz-Konzept und der Hartz-Kommission, wie es im Wahlkampf 2002 bekannt wurde. Denn darauf gehen ja auch die Ein-Euro-Jobs zurück. Das wurde mir auch erst alles nach und nach klar. Wenn man sich zurückerinnert, und dann aufmerksam das Interview

Innovattionsoffensive - und der Staat schläft weiter

bei Youtube in 7 Teilen oder hier:

http://kurl.de/innovationspolitik

anschaut, dann werden einem die Augen geöffnet. Man muss es aber ganz anschauen und auch wirklich zuhören.

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