Vom Spitzenamt zum Spitzenjob – legal, aber umstritten.
"Da zieht jemand persönlichen Nutzen aus seinen eigenen politischen Entscheidungen“, argwöhnte der SPD-Bundestagsabgeordnete Stephan Hilsberg. Der Anlass: Binnen weniger Monate nach der verlorenen Bundestagswahl 2005 wechselte Gerhard Schröder vom Kanzleramt in die Nord Stream AG, als Chef des Aufsichtsrats. An dem Konsortium sind neben dem russischen Gaslieferanten Gazprom auch die Energieversorger RWE und E.ON beteiligt. Noch als Bundeskanzler hatte sich Gerhard Schröder zusammen mit Russlands Präsident Wladimir Putin für den Bau einer Ostsee-Pipeline eingesetzt, für deren Umsetzung die Nord Stream AG gegründet wurde. Eine „indiskutable Vermischung von Interessen“ nannte Grünen-Parteivorsitzende Claudia Roth Schröders Wechsel. Neben dem Amt als Aufsichtsratschef nahm der Altkanzler zudem Wirtschaftsposten unter anderem als Beiratsmitglied der Investmentbank Rothschild und Berater des Schweizer Verlags Ringier an.
Schröder ist kein Einzelfall
Gerhard Schröder ist nicht der einzige, der nach der Polit-Karriere lukrative Auftraggeber in der Wirtschaft fand. Auch Ex-Außenminister Joschka Fischer entschied sich für hochdotierte Beraterjobs. Auftraggeber des ehemaligen Grünen-Politikers: der Autokonzern BMW und die Nabucco-Erdgaspipeline.
Gut im Geschäft ist auch Roland Koch, bis August 2010 hessischer Ministerpräsident. Der Christdemokrat heuerte im Anschluss als Vorstandsvorsitzender des Baukonzerns Bilfinger Berger an. Der fade Beigeschmack: In Kochs Regierungszeit erhielt die Firma für den Ausbau des Frankfurter Flughafens einen Auftrag von 80 Millionen Euro. Ein strafbares Verhalten Kochs ist nicht nachweisbar. Doch Timo Lange von LobbyControl warnt: „Allein der Verdacht eines Interessenkonfliktes schädigt das Vertrauen in die Demokratie.“







