Im Vorfeld des CSD in Berlin (Christopher-Street-Day) bekennen die Schwusos- AG Lesben und Schwule- Farbe. Und hissen die Regenbogenfahne am Willy-Brandt-Haus. Mit „Mottowagen“ geht es auf dem CSD bunt weiter.
Zwei Juristen ergeben bekanntlich drei Meinungen. Deshalb dauerte es ein wenig bis der Schwuso- Bundesvorsitzende Ansgar Dittmer und Berliner Landesvorsitzender der SPD Jan Stöß die Regenbogenfahne „richtig“ in Position gebracht hatten. Dafür flatterte sie dann umso stolzer im Wind. Um am nächsten Tag die CSD- Parade zu grüßen. Dieser führt zum ersten Mal am Willy-Brandt-Haus vorbei. „Mit der Fahne zeigen wir, dass wir die einzige Volkspartei sind, bei der Lesben und Schwule wirklich willkommen sind“, sagte Jan Stöß, der kurzfristig als Redner für die erkrankte Generalsekretärin Andrea Nahles einsprang, auf dem traditionellen Empfang der Schwusos im Willy-Brandt-Haus.
„Traut euch“
Das Motto „Traut euch“ des Empfangs besitzt mehrere Facetten. Zum einen ist es wörtlich zu nehmen, zum anderen im übertragenen Sinn.
Die Schwusos treten vehement für die gleichgeschlechtliche Ehe ein. „Frau Merkel muss sich fragen, warum Länder wie die USA und Spanien diese bereits eingeführt haben, und Deutschland nicht“, gab sich Ansgar Dittmer kämpferisch. Die Einführung sei längst überfällig und würde endlich den existierenden Lebenswirklichkeiten entsprechen. „Traut euch“ soll auch Ermutigung sein, sich zu seiner Sexualität offen und ohne Angst zu bekennen. Vor allem im Spitzensport herrsche noch großer Nachholbedarf. Gerade gefeierte Sportstars könnten viel für die Akzeptanz von Schwulen und Lesben bewirken, meint Ansgar Dittmer.
Auch in Schulen müsse das Thema Homosexualität noch intensiver behandelt werden. Um homosexuelle Jugendliche zu unterstützen, die sich oft ausgeschlossen und alleingelassen fühlten.
„Unwissenheit ist heilbar.“
Auf dem CSD einen Tag später, präsentieren die Schwusos einen eigenen Wagen mit dem Programm „Unwissenheit ist heilbar. Wissen- schafft Akzeptanz!“. Die Kampagne kämpft für die Rehabilitierung der Opfer des Paragraphen 175 StGB. Dieser stellte homosexuelle Handlungen unter Strafe. Und das bis 1994! Ein weiteres Anliegen ist der Kampf gegen die unterschwellige Pathologisierung lesbischer Frauen. Oft wird diesen eine eigene Sexualität abgesprochen. Mit Aussprüchen „Sie hätten noch nicht den richtigen Mann gefunden!“ oder „Sie könnten noch geheilt werden“. . Auch innerhalb der Familien müsse sich noch vieles ändern. Dass in Zukunft Eltern ihre lesbischen Töchter hoffentlich nicht mehr fragen: „Was haben wir nur falsch gemacht?“ Zudem streiten die Schwusos gegen die Kriminalisierung von Menschen mit HIV. Prominenter Wagenteilnehmer ist dieses Jahr Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.
„Schwestern der Perpetuellen Indulgenz“
Auch kulturell bekannte der Empfang Farbe. Die Showgruppe der „Schwestern der Perpetuellen Indulgenz“ heizte den Gästen kräftig ein. Und stimmte schon musikalisch auf den CSD am nächsten Tag ein.
Zu sehen gab es eine Fotoausstellung des Künstlers Charles Meacham. Die eindrucksvollen Bilder präsentieren mutige Menschen in Osteuropa, die für ihre Rechte auf anderen CSD-Paraden demonstrieren. Sich also bereits „getraut“ hatten. Auf den gleichen Impuls setzte der Empfang auch!









