Guido Goldman ist der fleischgewordene Transatlantiker. Wenn einer wie er pessimistisch wird, ist Anlass zur Sorge gegeben. In den USA sei eine neue Form von Nationalismus erwacht, die Hand in Hand gehe mit Hass auf die Moderne und dem Stolz, wenig zu wissen, sagte Goldman dem vorwärts.
Eine solche Situation zu verhindern – und wenn das nicht möglich ist, die Krise vernunftgemäß lösen zu helfen –, ist der Auftrag des German Marshall Fund (GMF), dessen Wegbereiter und Ko-Vorsitzender Guido Goldman ist. Seit 40 Jahren gibt es den Fund jetzt. Er war ein Geschenk der Bundesrepublik an die USA. Bundeskanzler Willy Brandt überbrachte das Geschenk persönlich: „Der Auftrag an die Zukunft heißt, die Erinnerung an die Vergangenheit zu erhalten.“ Sein Finanzminister Alex Möller hatte die Details mit Goldman ausgehandelt.
Namensgeber George Marshall (1880-1959) war unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg Außenminister der USA. Der nach ihm benannte Marshall-Plan hat den raschen Wiederaufbau Europas – und die Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik – ermöglicht. Der GMF vergibt Stipendien und versucht, in Goldmans Worten, „die besten Leute, die es gibt“, zusammenzubringen, längst nicht nur aus Europa und den USA. Er unterhält neben dem Sitz in Washington Büros in Berlin, Paris, Brüssel, Belgrad, Ankara, Bukarest, Warschau und sieht sich als „Netzwerk der Zivilgesellschaft“. Im September organisiert er ein „Atlantik-Forum“ in Rabat, der Hauptstadt Marokkos.
Goldman selbst hat sein ganzes Leben der Verständigung gewidmet, dem Dialog über Ozeane und andere Barrieren hinweg. Er kam 1938 in der Schweiz zur Welt. Sein Vater war Nachum Goldman (1894-1982), der Schöpfer und Präsident des jüdischen Weltkongresses, ein „Staatsmann ohne Staat“. Sohn Guido wuchs in New York auf, studierte in Harvard bei Zbigniew Brzezinski und Henry Kissinger und gründete dort das Center for European Studies, das er jahrzehntelang geleitet hat.
Der GMF müsse darauf achten, nicht parteilich zu sein, sagt Goldman, aber sein besorgter Blick auf die USA fällt auf die Republikanische Partei. Die dort oft tonangebende „Tea-Party“ nennt er eine „Know-Nothing-Bewegung“. Er sieht mit Sorge, dass führende US-Politiker stolz darauf sind, keine Fremdsprache zu beherrschen. Dazu passe, dass die US-Medien ihre Auslandsberichterstattung stark zurückgefahren haben. Sie besteht heute fast nur noch aus Katastrophenmeldungen. Man müsse, sagt Goldman, „ein bisschen besorgt sein über die Zukunft des Landes.“







