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Ein Mann der Kanzlerin-Demontage

Lutz Hermann • 08. October 2012

Peer Steinbrück am 28.9.2012 bei der Verkündung der Kanzlerkandidatur im Berliner Willy-Brandt-Haus.
Peer Steinbrück am 28.9.2012 bei der Verkündung der Kanzlerkandidatur im Berliner Willy-Brandt-Haus. (Foto: Dirk Bleicker)

“Steinbrück träumt von einer Revanche“ (Le Monde). Ein Mann mit bissiger Ironie, der sich in Fernsehstudios sauwohl fühlt“ (Libération). Er redet wie ein Maschinengewehr, besitzt beißenden Humor und hat nicht die Absicht, das Image eines autoritären Menschen abzulegen“ (L`Express). Und: Er hat die besten Chancen, das Erbe von Gerhard Schröder anzutreten“ (Radio France-Info).

Frankreichs Scheinwerfer fällt auf den 65-jährigen Kanzlerkandidaten der SPD-Opposition, Peer Steinbrück. Erstaunen ruft in Paris hervor, dass schon ein Jahr vor der Bundestagswahl im Herbst 2013 der Sozialdemokrat als Herausforderer in den Ring steigt. Bisher gingen viele Franzosen davon aus, Angela Merkel sei unbezwingbar und werde keinen ebenbürtigen Gegner haben. Kein Riss in ihrer Koalition mit der FDP ist in den französischen Medien vermerkt worden. Sie sei, nach der US-Zeitschrift Forbes, die mächtigste Politikerin der Welt. Ergo sei wohl kein Rivale von links oder rechts in der Lage, die Dame in Berlin destabilisieren oder gar demontieren zu können.

Das sollen die Herren unter sich regeln!

Die  einflussreiche linksliberale Abendzeitung Le Monde erinnert anlässlich eines Steinbrück-Porträts an ein aggressives Auftreten des Ex-Finanzministers, um herauszustreichen, dass da ein unbequemer Partner für die Franzosen antritt. Der Hintergrund: Im Juli 2007 hatte sich der damalige Präsident Nicolas Sarkozy zu einem Meeting der EU-Finanzminister selbst eingeladen. Das hatte Steinbrück damals öffentlich für erstaunlich nassforsch gehalten. Sarkozy beschwerte sich bei Merkel über den Kritiker. Laut Le Monde soll die Kanzlerin den Franzosen beschieden haben, das sollen die beiden Herren unter sich regeln!

Rückfall von Steinbrück gegenüber Sarkozys Amtsnachfolger Francois Hollande: Als der Kandidat und Sozialist in seinem Wahlkampf Neuverhandlungen über den EU-Stabilitätspakt ankündigte, bezeichnete Steinbrück das Ansinnen des französischen Genossen als ziemlich naiv.

Zweifellos spiegeln die Betrachtungen über den Deutschen in Frankreichs Hauptstadt Neugier, Respekt und Verwunderung wider. Libération neigt zu der Meinung des SPD-Mannes, dass Merkel etwas von der Wirklichkeit entfernt sei und vor allem die kleinbürgerliche Welt anspreche. Steinbrück soll geschworen haben, keiner Regierung Merkel mehr anzugehören.

Der bislang gefährlichste Gegner

Das Pariser Blatt Le Monde führt den Revanchegedanken des Ex-Finanzministers darauf zurück, dass die SPD zweimal – die Nordrhein-Westfalen-Wahl 2005 (in der Hochburg der Sozialdemokratie“, so Le Monde) sowie die Bundestagswahl 2009 verloren hat. Das Nachrichtenmagazin Express: Er sei ein passionierter Schachspieler und der gefährlichste Gegner aller denkbaren Kanzlerbewerber, zitiert die Zeitschrift den deutschen Politologen Gero Neugebauer.

Die Franzosen verwundert ein wenig, dass Steinbrück so früh ins Rennen um das Kanzleramt zieht. In ihrem Land sind sie es gewöhnt, dass Präsidentschaftsbewerber bis auf die letzte Minute abwarten oder zögern, frühzeitig in die Wahlkampfarena zu springen. Sie warten auf den günstigsten Augenblick für ihren Start.

Aber es gibt für die Franzosen auch eine Erklärung: In Berlin wackelt die Koalition CDU-CSU-FDP. Viele bezweifeln ein Durchhalten von Angela Merkel bis zur Bundestagswahl. Ihr frühzeitiges Scheitern halten also die Medien an der Seine für möglich. Das wäre dann die Stunde des SPD-Spitzenmannes. Der konservative Figaro beobachtet: Der Mann hört nicht auf, kraftvoll emporzusteigen. Der Wunsch der Wachablösung in Berlin wachse bei den Deutschen, meint nicht nur der Figaro.

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