Zur Feier des Tages hatte sich auch die Generalsekretärin der SPD ein blaues Hemd übergestreift: das traditionelle Kleidungsstück der Falken. Sie sei "stolz, heute die Farben tragen zu können", sagte Andrea Nahles und pries das "Wunder" der Wiedererstehung jüdischer Gemeinden in Deutschland.
Aus vielen dieser Gemeinden sei die Frage laut geworden: Warum gibt es Hashomer Hatzair in Deutschland nicht, sagt Ido Porat, der Vorsitzende dieser nun auch wieder deutschen Jugendorganisation. Hashomer Hatzair ist Hebräisch und heißt "Junger Wächter". Gegründet wurde die Organisation kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Galizien - damals Teil Österreich-Ungarns.
Im Deutschen Reich entstanden Sektionen in den frühen dreißiger Jahren, vor allem in Köln und Franken. Damals ging es um den Aufbau von Kibbuzim in Palästina, wenig später organisierten Junge Wächter oft den jüdischen Widerstand gegen Hitler. Ab 1938 war die Organisation in Nazi-Deutschland verboten.
Symbolträchtig war die Wahl des Ortes der Wiedergründung. Der Preußische Landtag - heute das Berliner Abgeordnetenhaus - verstand sich bis 1932 als Bollwerk gegen den Extremismus, der die junge Weimarer Republik bedrohte. Ein Jahrzehnt lang wurde Preußen, das mit Abstand größte Land im Reich, von der SPD unter Ministerpräsident Otto Braun stabil regiert. Der "Preußenschlag", die Absetzung der demokratischen Regierung Preußens durch die Reichsregierung unter von Papen, machte 1932 die Bahn frei für Hitler.
Am Donnerstag Nachmittag beherrschten Blauhemden das Bild im Landtag. Hashomer Hatzair und die Falken haben Jugendliche aus ganz Europa nach Berlin eingeladen. Sie quittierten die Wiedergründung von Hashomer Hatzair Deutschland und alle Reden mit großem Jubel. Hashomer Hatzair versteht sich als Teil der internationalen Falken-Bewegung und kooperiert eng mit der Sozialistischen Jugend Deutschlands - Die Falken.
André Lossin, der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Berlin, erinnerte daran, dass Israel "auf dem Ideal der Kibbuzim-Bewegung errichtet worden" sei und bedauerte: "Israel hat sich von diesem Ideal ein wenig entfernt." Hashomer Hatzair setzt sich heute für ein laizistisches Judentum und für Völkerfreundschaft ein und steht nicht nur jüdischen Jugendlichen offen. Der Einsatz für Gerechtigkeit und Gleichheit sei so aktuell wie eh und je, sagte Ido Porat.







