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Icon   Rezension; Hanna Hartmann: "Tod im Licht der Luminale"

Rasant in den Tod

Dagmar Günther • 20. August 2012

Societäts Verlag
(Foto: Societäts Verlag)

Obskure Morddrohungen am Vorabend der Frankfurter Lichterschau Luminale, eine Leiche auf der Dachterrasse des Glauburgbunkers: Auf die Biennale des Lichts fällt ein Schatten. Der neue Krimi von Hanna Hartmann ist rasant wie eine Achterbahnfahrt.

Freitagnachmittags, kurz vor Feierabend stürzt Lydia Stiefenhagen ins Frankfurter Polizei-Büro. Sie berichtet von Drohbriefen an ihren Gatten, den Chef des Explora-Museums. Kommissarin Edith Tannhäuser winkt ab. Als ob es nicht aufregend genug ist, dass sie am Wochenende ihren Exfreund Wolfgang in Berlin wiedersehen würde. Da fehlt ihr diese hektische Frau gerade noch. Doch ihr Kollege Stefan Weber ist von der „wasserstoffblonden Blondine“ begeistert. Er überredet Edith, die viel lieber zum Friseur gegangen wäre, zu einem Besuch des im Glauburgbunker angesiedelten Museums. Schließlich soll dieses bei der bevorstehenden Lichterschau Luminale eine besondere Rolle spielen. Man müsse sich die obskuren Briefe doch wenigstens mal ansehen.

Verwirrt

Museumschef Gerhard O. Stiefenhagen entpuppt sich als durchweg unsympathisch. Seine Frau sei hysterisch und genauso wenig ernst zu nehmen wie die „komischen Drohbriefe“, wiegelt er ab. Die Kommissarin provoziert er, wo er nur kann. Während Lydia immer noch lächelt, ist Edith stinksauer. „Was dieser Mann sich in der letzten halben Stunde ihr gegenüber herausgenommen hatte, war eine unglaubliche Frechheit.“ Der liebt nur sich und seine Explora, denkt sie. Und ist froh, dass der Vorfall vorerst geklärt scheint. Endlich kann sie ins Wochenende gehen.

Doch weit gefehlt: Ein paar Stunden später ist Stiefenhagen tot. Brutal zugerichtet wird er auf der Dachterrasse des Glauburgbunkers gefunden. Jemand hat ihn ausgerechnet an das großes Windrad genagelt, das der Clou der Luminale werden sollte.

Verdächtigt

Stefan Weber startet mit den Ermittlungen. An Tatverdächtigen mangelt es nicht: Stiefenhagens Ehefrau zum Beispiel. So wie ihr Ehemann sie behandelte, hatte sie allen Grund, ihn loswerden zu wollen. Ihr Liebhaber, der Projektleiter der Luminale Arthur von Schwanenwede, hätte ebenfalls zahlreiche Motive. Und dann sind da noch der alte Stanislaus Schlosser, der 1942 im Glauburgbunker, der „bombensicheren“ Anlage für den Zivilschutz, seine große Liebe verlor oder der schwule Max Waitrowsky, der die Biennale des Lichts als Fotograf begleiten darf. Er kennt Stiefenhagen aus Berliner Zeiten und ist sich sicher, dass der damals seinen Freund Oliver in den Tod getrieben hat. Auch die Mitglieder des Karnevalvereins, der früher seinen Sitz im Bunker hatte, und verschiedene vom Lärm der Baumaßnahmen genervte Anwohner kommen infrage.

Der Kommissar informiert Edith, die ihn von Berlin aus tatkräftig unterstützt. Was die beiden über Stiefenhagen, die Explora und den Glauburgbunker herausfinden, lässt sie erschaudern.

Verrückt

Ihre Krimis lesen ist wie Achterbahnfahren. Die in der SPD Hessen engagierte Journalistin und Autorin Petra Tursky-Hartmann, alias Hanna Hartmann, versteht ihr Handwerk. Mehr als einmal steht der Leser vor dem Abgrund, meint endlich zu begreifen und versteht doch gar nichts. In kurzen Kapiteln feuert die Autorin Blitze wie Licht ins Dunkel. Doch die Erleuchtung folgt nicht.
 
Da heißt es, das Ende abzuwarten. Und dabei erfährt der Leser noch jede Menge Wissenswertes: über die Frankfurts Historie im Allgemeinen und die seiner Luftschutzbunker, vor allem die des Glauburgbunkers im Besonderen, über Twitter-Wall und mit einer Vertical-Axis-Turbine betriebene Windräder. Bis schließlich auch diese verrückte Achterbahnfahrt vorbei und der Fall gelöst ist. Ein rasanter Sommerkrimi. Nachschub erwünscht!

Hanna Hartmann: Tod im Licht der Luminale. Ein Frankfurt-Krimi, Societäts Verlag, Frankfurt 2012, 244 Seiten, 12,80 Euro, ISBN 978-3-942921-47-3

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