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Icon   Wie sieht die Zukunft der Kreativwirtschaft aus?

Autogramm auf CD-Rohling

Anina Kühner • 10. September 2012

pop meets politics.
pop meets politics. (Foto: Shenaniganz)

Das Einkommen vieler Künstler reicht oft kaum, um über die Runden zu kommen. In Zeiten des Internets und der digitalen Verbreitung von Filmen, Musik und Texten ist es für die Kreativen zunehmend schwierig, genug zum Leben zu verdienen. Wie kann man die Lage verbessern? Darüber diskutierten am Freitag bei „Pop meets Politics“ Künstler, Politiker und Musikproduzenten.

Der Rapper Wasiem Taha alias „Massiv“ machte deutlich, wie wenig Musiker noch an CDs verdienen: „Nach einem Konzert kam ein junger Mann zu mir, und fragte, ob ich ihm einen Rohling signieren könnte.“ Sehr irritiert habe er unterschrieben, der junge Fan war im Schlepptau seiner Mutter und habe die Problematik offenbar nicht verstanden.

Die Musikerin Maike Rosa Vogel kennt sie allzu gut. An ihrer neuen CD, die im Juni erschienen ist, habe sie noch nichts verdient. Mit den Einnahmen müsse erst mal der Vorschuss für das Studio abbezahlt werden, in dem das Album produziert wurde. Mit ihrer letzten Platte konnte sie nur die Produktionskosten decken. Maike Rosa Vogel hat die Musik für einen Film gemacht und hatte schon zwei Engagements am Theater. Das sei Geld, das auch bei ihr ankomme, berichtet sie.

Gemeinsame Sache: der Kreativpakt

Damit sich das ändert, haben sich SPD-Politiker, Vertreter der Wirtschaft und Kulturschaffende im „Kreativpakt“ zusammengeschlossen. In diesem Verbund wurden bei Workshops und Debatten Möglichkeiten erarbeitet, Künstlern eine flexible soziale Absicherung zu ermöglichen. Eine Modernisierung des Urheberrechts soll ihnen ein faires Einkommen sichern. Der Kreativpakt war Anlass und Kernpunkt der Podiumsdiskussion im „FritzClub“ am Berliner Ostbahnhof.

„Die digitale Welt braucht und verbraucht viel Kreativität“, erklärte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier in seiner Eröffnungsrede. Aus diesem Grund sei es dringend notwendig, bürokratische Hürden beim Weg in die Selbstständigkeit abzubauen, betonte er. Deutlich wies er darauf hin, dass dies nicht nur für Musiker gelte, sondern auch für Schriftsteller und andere, die kreativ arbeiteten.

Legale Plattformen schaffen

Tim Renner, Musikproduzent, stellt klar: „Das Problem ist auch das gesunde Halbwissen, mit dem Jugendliche im Netz unterwegs sind.“ Illegale Seiten würden nicht hinterfragt, die rechtlichen Hintergründe blieben vielen unklar. Zeit und Geld würde im Netz investiert. Genau deshalb sei es dringend notwendig, neue Internetplattformen zu schaffen, damit dieses Geld zu gerechten Teilen auch bei den Urhebern ankomme.

Um im Netz eine bessere Kontrolle zu gewährleisten, seien dringend Gesetze gegen Werbung auf illegalen Seiten notwendig, meint Lars Klingbeil, der netzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Auch an anderer Stelle könne die Politik ansetzen, um die Arbeitsumstände von Künstlern zu verbessern. „Proberäume für Musiker zur Verfügung zu stellen, überhaupt Räume für Kreativität, sollte allen größeren Kommunen ein Anliegen sein“, so seine Meinung. Gerade Großstädte wie Berlin definierten sich schließlich in weiten Teilen über ihre Kulturszene.

Genau deshalb brauche es den Kreativpakt, das betonte Frank-Walter Steinmeier. „Hier werden gesellschaftliche Grundlagen für das Kulturleben in der digitalen Welt geschaffen“, bemerkte er. Die ständige finanzielle und soziale Unsicherheit, unter der Künstler zu leiden hätten, stünde im klaren Widerspruch zu der berufsbedingten Unabhängigkeit.

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