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Icon   Rezension; Andreas Salcher: "Ich habe es nicht gewusst"

Ein Plädoyer gegen Ignoranz

Anina Kühner • 27. August 2012

Andreas Salcher: Ich habe es nicht gewusst. (Quelle: Ecowin Verlag)
Andreas Salcher: Ich habe es nicht gewusst. (Quelle: Ecowin Verlag)

Das Cover springt direkt ins Auge: Ein kleines Mädchen, hält dem Betrachter mit vorwurfsvollem Blick einen Spiegel vor. Die Botschaft von Andreas Salchers Buch „Ich habe es nicht gewusst“ ist so einfach wie eindeutig: Schau’ dich selbst an und überlege, was du für die Zukunft dieser Welt tust. 

Andreas Salchers Buch „Ich habe es nicht gewusst“ ist kein Ratgeber und kein Pamphlet, sondern eine Darstellung von Möglichkeiten. Es geht darum, wie jeder Einzelne in der modernen Wohlstandsgesellschaft durch kleine Handlungen die Umwelt schonen und zum sozialen Zusammenhalt beitragen kann. Der Leser soll sich seiner moralischen Grundwerte und seines Lebensstils bewusst werden.

Worin besteht die Schwierigkeit, beim Verlassen eines Raumes den Lichtschalter zu betätigen? Kann man das Auto nicht doch mal stehen lassen und zu Fuß gehen? Sollte Zivilcourage nicht eine Selbstverständlichkeit sein? So banal diese Anstöße wirken, so wirkungsvoll sind sie, wenn man sich intensiv mit ihnen auseinandersetzt. „Ich habe es nicht gewusst“ ist ein Plädoyer für soziales und politisches Engagement und gegen die Bequemlichkeit unserer Wohlstandsgesellschaft.

Hilfe zur Selbstverbesserung

Für Salcher ist das, was er als „China-Problem“ bezeichnet ein zentrales Beispiel für den drohenden Werteverfall in Europa und den USA. Westliche Unternehmen und Politiker neigen immer mehr dazu, den wirtschaftlichen Erfolg Chinas über dessen fragwürdigen Umgang mit Menschenrechten zu stellen. Dagegen gelte es stetig anzukämpfen, so Salchers lobenswerter Standpunkt.

Bei allen Problemen, die der Autor anreißt, wirkt er dennoch nicht belehrend oder missionarisch. Das Buch soll bei der Selbstverbesserung helfen. Dass dabei an einigen Stellen zur Polemik gegriffen wird, verzeiht man leicht.

Ermüdend allerdings wirkt die ständige Wiederholung der moralischen Botschaft. Trotz all der vielen Beispiele, die Salcher gibt, hat man im Laufe der Lektüre das Gefühl, immer auf dieselben Selbstverständlichkeiten hingewiesen zu werden. So machen der fiktive Brief, in dem sich ein Großvater im Jahr 2022 bei seinem Enkel für die zerstörte Welt entschuldigt, und die Anekdote über den kleinen Jungen, der Millionen Bäume pflanzen ließ, überdeutlich, dass jeder selbst Verantwortung trägt.

Vor allem aber belässt Salcher es vielfach bei der Bestandsaufnahme. So betont er, dass sich globale Probleme wie Hunger und Klimaerwärmung nicht auf nationaler Ebene lösen lassen, lässt den Leser allerdings ratlos zurück. Macht der Autor dann den Vorschlag, Briefe an Politiker zu schreiben oder demonstrieren zu gehen, wirkt das gleichermaßen hilflos und bemüht.

Der eigene Beitrag

Immerhin: Salcher verliert nie die Lebensrealität seiner Leser aus dem Auge: Er ist sich der Resignation  bewusst, die viele angesichts von Krisen, Kriegen und Umweltzerstörung ergreift und er versucht nicht, diese klein zu reden. Stattdessen bemüht er sich aufzuzeigen, was jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten tun kann. ‚Lass die Zweifel darüber, ob du noch ein bisschen mehr machen könntest, zu. Behandle deine Zweifel nicht als Dauermieter, aber auch nicht als Feinde, sondern als willkommene Gäste’, schreibt der Autor.

Dieser Ansatz macht Mut, sich tatsächlich einer Selbstprüfung zu unterziehen.

Andreas Salcher ist ein spannendes Buch gelungen, das jedem ein bisschen zu denken geben sollte. Dabei ist es weniger das große Ganze, was am Ende der Lektüre im Fokus steht, sondern der kurze Weg zum Wahllokal oder der Griff zum Telefon, wenn jemand anderes in Not ist. Der eigene kleine Beitrag eben.

Andreas Salcher: "Ich habe es nicht gewusst", Ecowin Verlag, Salzburg 2012, 275 Seiten, 22,90 Euro, ISBN 978-3-7110-0021-7

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