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Icon   Gastbeitrag von Hans-Werner Meyer

Schauspieler? Und was machen Sie tagsüber?

Hans-Werner Meyer • 13. July 2012

Roter Teppich
 Ein Leben auf dem roten Teppich führen nur ganz Wenige in der Schauspielbranche. (Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)

Ein Beruf mit den Nachteilen von abhängig Beschäftigten und dem Risiko von Selbstständigen. Hans-Werner Meyer, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Film- und Fernsehschauspieler, über die Arbeitsbedingungen von Schauspielern.

Schauspieler verdienen viel, arbeiten wenig und haben hemmungslos Spaß! Die sollen sich nicht beklagen, sie haben sich dieses Lotterleben schließlich selbst ausgesucht. So lautet das uralte Vorurteil gegen Gaukler und anderes arbeitsscheues Gesocks und treibt in den Köpfen einer erschreckend großen Zahl Menschen sein Unwesen. 

Seit immer mehr Berufe unter ähnlich prekären Verhältnissen ausgeübt werden müssen wie die Schauspielerei, ist dieses Vorurteil zwar angeschossen und windet sich im Staub, aber wie in einem schlechten Western braucht es erstaunlich lange, um den Löffel abzugeben. Geben wir ihm den Rest.

Ein paar Fakten: 70 % der Schauspielerinnen und Schauspieler verdienen unter 30.000 Euro brutto im Jahr, die wenigsten können von ihrem Beruf leben. Ein Familienleben, das ein Mindestmaß an Kontinuität erfordert, ist kaum möglich. Ohne ein zweites Standbein, das den Schauspielerberuf zu einem Nebenberuf macht, können immer weniger Schauspieler existieren. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Qualität der Filme, die in unser kollektives Gedächtnis eingehen.

Gagen im freien Fall

Unsere sogenannten Drehtagsgagen befinden sich seit Jahren im freien Fall und müssten aufgrund des tatsächlichen Arbeitsaufwandes eigentlich Wochengagen heißen. Aber auf den einzelnen Drehtag bezogen erscheinen unsere Gagen relativ hoch, und darum zahlen wir die absoluten Höchstbeiträge in die Arbeitslosenversicherung. Trotzdem haben wir kaum Aussicht, Arbeitslosengeld I zu bekommen. Wir sind Angestellte – aber immer nur mit kurz befristeten Arbeitsverträgen. So haben wir äußerste Schwierigkeiten, die nötige Anwartschaftszeit zu erfüllen.

Überhaupt fallen wir arbeits- und sozialrechtlich zwischen alle Stühle: Wir haben die gleichen Nachteile wie abhängig Beschäftigte, wir tragen das gleiche Risiko wie Selbständige, und uns trifft die Bürokratie wie beide zusammen.

Der Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler hat in den letzten Jahren einiges dafür getan, dass Schauspieler endlich den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend sozialversichert werden, also nicht nur pro Drehtag, sondern für den tatsächlichen Vertragszeitraum, weil sie zur Verfügung stehen, sich vorbereiten, proben, nachsynchronisieren und Pressearbeit leisten müssen. 

Drohende Altersarmut

Dennoch: Im Arbeitsleben eines Schauspielers klaffen immer noch abgrundtiefe Löcher, die unweigerlich zu Altersarmut führen – auch bei den Kollegen, die die Helden unserer Fantasie verkörperten und die wir im Olymp der Berühmten und Sorglosen wähnten.

Noch etwas ist kurz vorm Exitus: die Wertschätzung kultureller Leistungen. Sie wird derzeit gelyncht, zermahlen im kriegerischen Diskurs zwischen den Nutzerrecht-Bandidos und den Urheberrecht-Sherrifs. Natürlich muss das Urheberrecht in Zeiten unbegrenzter digitaler Verfügbarkeit angepasst werden, das bestreitet kaum einer ernsthaft. 

Dass die aktuelle Debatte darüber aber mit einer derart rapide um sich greifenden Verachtung für die Arbeit von Künstlern und Kulturschaffenden einhergeht, müsste selbst hartgesottene Western-Fans erschrecken. Denn die mit dem i-Phone selbst gedrehte Western-Parodie auf youtube vertreibt zwar auch die Zeit, verliert aber ihren Sinn, wenn es keine echten Western mehr gibt, weil niemand mehr bereit ist, dafür zu bezahlen. Eine Kultur von Amateuren für Amateure? Eiskalt bläst der Wind durch die Ruinen einer einst reichen Kultur.

Mehr unter www.bffs.de

Dieser Beitrag ist ursprünglich erschienen in der "Guten Arbeit", Arbeitnehmerzeitung der SPD-Bundestagsfraktion.

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