Für zwei Euro pro Stunde
Mascha Stähle (29), Historikerin, Berlin
Ich werde nächstes Jahr 30. Bisher habe ich noch nichts in die Rentenkasse einzahlen können. Langsam beginne ich, mir ernsthafte Sorgen zu machen. Im April 2011 habe ich einen Masterabschluss in Geschichte gemacht, mit der Note 1,5. Trotzdem musste ich mich arbeitslos melden, denn ein Job war nicht zu finden.
Faul zuhause herumsitzen wollte ich nicht. Also habe ich begonnen, Praktika zu absolvieren. Dem ersten folgte das zweite, dann das dritte, mittlerweile sind es fünf geworden. Ich habe in Geschichtsagenturen für Unternehmen gearbeitet, im Kulturtourismus, in Forschungszentren. Durch manche Praktika konnte ich wirklich viel lernen. Oft wird man aber auch nur als billige Arbeitskraft missbraucht – für zwei Euro pro Stunde.
Jetzt beginne ich damit, mich als Historikerin selbstständig zu machen. Doch viele junge Kollegen sind auf der Suche nach Arbeit, das drückt die Honorare nach unten. Ich arbeite demnächst Vollzeit und bekomme zehn Euro die Stunde. Davon muss ich jeden Monat noch etwa 130 Euro Steuern und 240 Euro Krankenkassenbeiträge zahlen. Was übrig bleibt, reicht gerade so zum Leben. Für das Alter vorsorgen kann ich damit nicht.
Der Staat sollte hier eingreifen. Er sollte Regeln aufstellen, um den Missbrauch von Praktikanten zu stoppen und eine adäquate Entlohnung vorschreiben. Und ich bin für einen Mindestlohn – nicht nur für den Niedriglohnsektor, sondern auch für Akademiker.








